Der Blindenführhund

Vom Welpen bis zum Blindenführhund ist es ein weiter Weg. Ich möchte als erstes darauf hinweisen das es kaum möglich ist, Hunde zu züchten, die sich auf Grund ihrer Wesensmerkmale später als Blindenführhund eignen. Um dies besser zu erklären, wollen wir hier im Vorfeld verschiedene Fachbegriffe kurz erläutern. Das Verhalten des Hundes setzt sich zusammen aus dem Genotyp und dem Phänotyp. Der Genotyp beinhaltet angeborene Wesenseigenschaften, die in der Erbmasse verankert sind und weiter vererbt werden. Der Phänotyp beinhaltet die erlernten Wesenseigenschaften, die durch Prägung in den unterschiedlichen Lebensabschnitten vom Hund erworben werden. Diese können jedoch nicht vererbt werden, und überdecken mitunter die Eigenschaften des Genotypes. Das Wesen des Hundes setzt sich nun wie folgt zusammen. Man geht heute davon aus, dass etwa 20% Genotyp und 80% Phänotyp das Wesen des Hundes bestimmen. Der Phänotyp kann durch Aufzucht und Prägung durch den Menschen beeinflusst werden. Der Genotyp ist durch den Menschen nicht beeinflussbar. Bei der Auswahl von Hunden, die sich später als Blindenführhund eignen sollen, müssen wir besonders darauf achten, dass diese Hunde kein genotypisches Fehlverhalten zeigen. Genotypisches Fehlverhalten ist beim Hund nicht reparabel. Man kann dieses Fehlverhalten zwar blockieren, allerdings ist das für einen Blindenführhund nicht das geeignete Mittel, da dieser später beim Betroffenen versuchen wird, dieses Verhalten ihm gegenüber wieder durchzusetzen. Da diesbezüglich keine erzieherische Maßnahme vom Betroffenen ausgehen kann, wird dieser Hund sein ursprüngliches Verhalten schnell wieder zeigen.

Dafür ein kurzes Beispiel:
Ein 12 Monate alter Hund zeigt gegenüber anderen Artgenossen ein aggressives Verhalten - dieser Hund ist für uns zur Ausbildung als Blindenführhund nicht geeignet. Es besteht die Möglichkeit, diesem Hund mit erzieherischen Maßnahmen dieses Fehlverhalten kurzzeitig abzugewöhnen, dabei sprechen wir von der sogenannten Blockade. Er wird dieses Fehlverhalten bei seinem Ausbilder nicht mehr zeigen. Später, beim Betroffenen, wird dieses Fehlverhalten wider auftreten, die Gründe sind bekannt. Es liegt also die große Verantwortung auf den Schultern der Blindenführhundschule, Hunde auszuwählen, die sich zur Ausbildung als Blindenführhund optimal eignen. Es gibt natürlich nicht den perfekten Hund, genau so wenig wie es den perfekten Menschen gibt. Man sollte aber unbedingt darauf achten, dass Führhund und Betroffener ein gutes Gespann ergeben. In letzter Zeit kamen immer wieder Anfragen, ob die Möglichkeit besteht, andere Rassen zum Führhund auszubilden, insbesondere Rassen wie Berner Sennenhund, Rottweiler, Rhodesian Ridgeback und sogar Huskys. Man muss hier eindeutig sagen, dass diese Hunderassen sich auf Grund ihrer Anatomie sowie ihren rassespezifischen Wesensmerkmalen nicht als Blindenführhund eignen. Ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Wahl eines Hundes ist seine Gesundheit. Bevor wir mit der Ausbildung zum Blindenführhund beginnen, werden unsere Hunde tierärztlich untersucht. Weiterhin werden Hüfte und Ellenbogen geröntgt, um mögliche verborgene Defekte zu erkennen. Ein großes Blutbild vom Hund gibt uns Auskunft über eventuell vorhandene innere Krankheiten. Wenn ein Hund alle Untersuchungen hinter sich hat und keine größeren Beanstandungen festgestellt wurden, das Wesen den Kriterien unserer Vorstellung entspricht, beginnt die Ausbildung. An ersterStelle steht dabei immer das Erlernen der Grundbegriffe, denn nur ein Hund mit einer gut fundierten Grundausbildung ist in der Lage, seinen Alltag und den des Betroffenen zu meistern. Es gehen im Laufe der Zeit einige Befehle verloren, die nicht ständig mit dem Hund gearbeitet werden. Durch geringen Aufwand ist dies meist zusammen mit den Betroffenen zu klären. Wir stehen hierfür allen Blindenhundführern und allen, die sich für einen Führhund entscheiden, mit Wort und Tat zur Seite.