Blindenfußball in Deutschland

Fußballspielen trotz Blindheit?
Ohne sehen zu können fussball spielen, ist das möglich?
Diese Frage stellt sich wahrscheinlich erst einmal jeder, der davon hört.
Wie soll das funktionieren? Und vor allem, ist das nicht viel zu gefährlich?
Eins nach dem anderen.
Zunächst einmal: Ja, Blindenfussball ist möglich und wird in Ländern wie Brasilien und England schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich betrieben.
Warum der Blindenfussball in Deutschland erst seit einem Jahr angekommen ist, bleibt nach wie vor ein Rätsel.
Wie wird das Ganze eigentlich gespielt?
Eine Mannschaft besteht normalerweise aus 4 vollblinden Feldspielern und einem Sehbehinderten oder sehenden Torwart.
Spielgerät ist ein Fussball, der mit Rasseln gefüllt ist, damit ihn die Spieler hören können.
Weiterhin benötigt man neben dem Trainer auch so genannte Guids, deren Aufgabe es ist den Spielern Anweisungen zu geben.
So befindet sich während des Spiels ein Guid hinter dem gegnerischen Tor und einer auf Höhe der Mittellinie.
Wichtig dabei ist, dass die Anweisungen klar und präzise geäußert werden. Die Spieler benötigen einen guten Orientierungssinn und viel Gefühl im Umgang mit dem Ball.
Geführt wird der Ball zwischen den beiden Fussinnenseiten um ihn unter Kontrolle halten zu können.
Sobald sich ein Abwehrspieler dem Ballführenden nähert und versucht den Ball zu erobern, muss er das Signalwort „Voi“ rufen, damit es nicht zu Unfällen kommt.
Zur Orientierung dienen vier Banden.
Die Kommunikation unter den Spieler einer Mannschaft ist spielentscheidend. Das Spiel ist sehr dynamisch und körperbetont, wenn es aber richtig gespielt wird, nicht gefährlicher als jede andere Sportart auch.

Blindenfussballmannschaft Chemnitz
Blindenfussballmannschaft Chemnitz





Blindenfußball in Chemnitz

In Chemnitz wird seit Februar 2007 Blindenfussball gespielt.
Trainingsort ist die Sporthalle des SFZ.
Als einzige ostdeutsche Mannschaft haben wir im März diesen Jahres den Spielbetrieb in der erste Bundesliga aufgenommen.
Der erste Spieltag führte uns nach Berlin, wo wir gegen die Mannschaften von Dortmund und St. Pauli spielen mussten.
Schafften wir am Sonntag gegen die Hamburger noch ein "null zu null" - so verloren wir am Samstag bereits gegen die Jungs aus dem Ruhrpott mit 2 zu null.
Obwohl bei den Spielen keiner in Härte und Siegeswillen den anderen etwas schenkte, sind die Spiele doch zum grossen Teil fair geführt.
Nach dem Spiel freut man sich gemeinsam mit dem Gegner über ein schönes Spiel und tauscht so manche Erfahrung miteinander aus.
Am 26.04.und 27.04.2008 haben wir den zweiten Spieltag, diesmal führt uns unsere Leidenschaft nach Stuttgart.
Wir werden diesmal gegen die Mannschaften von Stuttgart, Marburg und die Spielgemeinschaft Würzburg/Berlin.
Wir hoffen natürlich, dass uns gegen eines der Teams ein Sieg gelingt.

Blindenfussballmannschaften Chemnitz und St. Pauli
Blindenfussballmannschaften Chemnitz und St. Pauli


Aktuelle Mitteilungen der in der "Freien Presse"

"Ein rasselnder Ball und akustische Zurufe", 29/3/2008




Heute startet die Blindenfußball-Bundesliga in ihre erste Saison - Ein besonders für Außenstehende faszinierender Sport

Das Bild zeigt Jana Schlegel und ihre Mannschaftskameraden, ganz rechts Co-Trainer Jürgen Müller. (Foto:Ulf Dahl)

"Ein rasselnder Ball und":
Was Menschen mit Beeinträchtigungen in der Gesellschaft leisten können, beweist der Blindenfußball.
In Deutschland steckt dieser Sport, verglichen mit Ländern wie etwa Spanien oder Brasilien, noch in den Kinderschuhen.
Doch in den vergangenen zwei Jahren hat sich viel getan.
Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass am Wochenende die Blindenfußball-Bundesliga in ihre erste Saison startet.
Unter den acht teilnehmenden Mannschaften befindet sich auch ein Team aus Chemnitz.
"Hier, hier, hier, C 9, B 8" - die für einen Außenstehenden ungewohnten Zurufe in einer Sporthalle, abgegeben von Jürgen Müller, gelten Fußballern, die nichts sehen können:
Keinen Ball, keine Mitspieler, keinen Gegner, kein Tor.
Sie sind blind, mit Ausnahme des Torwarts.
Müller ist einer von zwei Trainern einer noch im Aufbau befindlichen Chemnitzer Mannschaft, die jeden Donnerstag im Sächsischen Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte in der Chemnitzer Flemmingstraße ihr normales wöchentliches Trainingspensum herunterspult.
Und doch ist diese Übungseinheit zur späten Nachmittagszeit etwas Besonderes:
Es ist das Abschlusstraining vor einem für alle Beteiligten großen Ereignis:
Heute startet der deutsche Blindenfußball in seine erste Bundesligasaison.
Die Chemnitzer Mannschaft ist eine von insgesamt acht teilnehmenden Teams.
Die 22-jährige Jana Schlegel ist die einzige Frau in der Gruppe, die aber ausdrücklich betont, dass dies "bestens funktioniere", auch wenn international nicht in gemischten Mannschaften gespielt werde.
Trainer Müller, der seit 30 Jahren in der Einrichtung arbeitet, und früher selbst kein aktiver Fuß- sondern Handballer war, weiß das engagierte Auftreten der jungen Frau, wie auch aller anderen Spieler, zu schätzen.
Was er sich wünscht, ist, dass die Chemnitzer Mannschaft, der es "noch ein wenig an Nachwuchs fehlt" recht bald den einen oder anderen Zuwachs erhält.
Der Kreis der Spieler sei mit insgesamt acht noch recht klein, auch im Vergleich zu anderen Mannschaften der Bundesliga, wie etwa St. Pauli.
Der Außenstehende, der Blindenfußball zum ersten Mal erlebt, ist fasziniert.
Wie die Spieler ihre Bewegungen koordinieren, zugleich auf die akustischen Signale des Balles und die Zurufe des Trainers oder der Guids achten, außerdem sich im Raum orientieren, und auch noch ein entsprechendes Ball- und Balancegefühl entwickeln, das alles nötigt allergrößten Respekt ab.
Der Zuruf C bedeutet übrigens rechts, B Mitte und A links, 9 oder 8 ist die Entfernung in Metern zum Tor.
Auch Mut und bestimmte Nehmerqualitäten sind gefragt, denn es kann durchaus ziemlich hart zur Sache gehen.
"Zusammenstöße, die nicht nur weh tun sondern auch zu ernsthaften Verletzungen führen können", kommen in dieser Sportart nun einmal vor, weiß Müller zu berichten.
"Angst darf und muss man aber nicht haben", sagt Jens Hielscher. Der 42-jährige Arbeitslose, der seit 30 Jahren Sport treibt, beschreibt sich selbst als "sehr ehrgeizig".
Den Beweis dafür liefert er beim Training.
Seine kraftvollen Schüsse auf das Tor fordern Schlussmann Mayk Preiß zu so mancher Glanzparade heraus.
Der 45-Jährige, der eine Blindenführhund-Schule besitzt, und der als einziger in der Mannschaft sehen kann, dirigiert seine Kameraden aus dem Tor heraus.
"Kommunikation ist wichtig." Beim Neunmeter-Schießen klopft er, wenn der Schütze bereit steht, erst mit den Händen gegen beide Pfosten und ruft "links" und "rechts", um dann in der Mitte des Tores stehend, noch einmal in die Hände zu klatschen.
Ein Hilfsmittel, das den Feldspielern, die am Strafstosspunkt stehen, Orientierung gibt.
Erfreut zeigen sich alle, dass Uwe Seeler, einer der prominentesten Spieler der gesamten deutschen Fußballgeschichte, die Schirmherrschaft über die Bundesliga übernommen hat.
Als Favorit fühlen sich die Chemnitzer nicht, den einen oder anderen Punkt möchte man aber schon gewinnen.

Teilnehmer

Die Blindenfussball-Bundesliga wird in Turnierform an drei Wochenenden gespielt, und zwar in Stuttgart, Berlin und Dortmund.
Spieltage sind der 29. Und 30. März, der 26. Und 27. April sowie der 24. und 25. Mai.
Teilnehmer sind: Marburg, Dortmund, Stuttgart, St. Pauli, Essen, Chemnitz, Würzburg-Berlin und Mainz.
Pro Wochenende absolviert jede Mannschaft zwei Spiele.
Ermöglicht wurde die höchste deutsche Spielklasse für Blinde durch eine Kooperation zwischen der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes, des Deutschen Behindertensportverbandes und des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes.

Freie Presse, Peter Bretschneider

Für alle Leseratten haben wir einen Zeitungsausschnitt im pdf-Format auf einer extra Seite eingebaut,
er stammt aus der Leipziger Volkszeitung vom Wochenende 26. - 27. April 2008, und berichtet von der Blindenfussball-Bundesliga.
Der Artikel steht in der Mitte und beginnt mit der Überschrift: Tore auf Zuruf
Sie erreichen diese Seite, indem Sie auf folgenden Link klicken: Hier klicken für den Zeitungsausschnitt


Kay Schürer / Abwehr
Jens Hielscher / Sturm
Danielh Hoche / Abwehr
Jürgen Müller / CO-Trainer
Roland Kolb / Cheftrainer
Mayk Preiß / Tormann
Jana Schlegel / Abwehr
Marcel Klose / Sturm


Am 26.04 10.00 Uhr spielten wir gegen Stuttgart und erhielten unsere bis dahin
größte Niederlage mit 5:0.
Die Gegner waren uns einfach technisch und konditionell überlegen.

Wie diese Bild zeigt, bleiben wir natürlich trotzdem Freunde ;-) ...

Zum Marathon in Chemnitz 17.05.2008 stellten wir unsere Fitness unter Beweiss
Ab 01.01.2009 ist unsere Mannschaft Mitglied im CFC.

Am 22.02.2009 findet in der Turnhalle im SFZ ein Freundschaftsspiel gegen Berlin statt.