Die Ausbildung

Wie bereits beschrieben, überprüfen wir Hunde im Alter von 10-20 Monaten auf ihre Eignung als Blindenführhund. Nach der tierärztlichen Untersuchung und einer Probezeit in unserer Schule entscheiden wir, ob sich ein Hund eignet. Nach einer positiven Entscheidung beginnt anschliesend dieAusbildung. Elemente der Grundausbildung sowie die Gewöhnung an das Führgeschirr stehen dabei am Anfang. In der Methodik der Ausbildung lehnen wir übertriebene Härte grundlegend ab. Ausbildungshilfen wie Stachelhalsband oder Elektroreizgeräte finden bei uns keinen Platz. Wir distanzieren uns aber ebenfalls von übertriebenem Lob oder dem übertriebenen Arbeiten mit Futter. Der Hund ist von seinem Ursprung her ein Rudeltier und diese Eigenschaft machen wir uns in der Ausbildung zu Nutzen, der Hund soll seine sozial niedrigere Stellung gegenüber dem Menschen anerkennen und beibehalten. Durch dieses Verhalten wird der Führhund später seinem Rudelchef (in diesem Fall dem Betroffenen) immer versuchen zu gefallen und so alle Kommandos von ihm mit Begeisterung ausführen. Würde man mit zuviel Zwang und Härte mit dem Führhund arbeiten, wird er später beim Betroffenen durch ständiges Antesten versuchen, Kommandos nicht zu befolgen. Da vom Betroffenen keine physischen Zwänge ausgehen, werden die Führeigenschaften innerhalb kürzester Zeit immer schlechter. Ein ähnliches Problem entsteht auch, wenn wir in der Ausbildung des Führhundes grundsätzlich nur mit Lob und Futter arbeiten würden, da später im Alltag diese Motivation für den Hund weitgehend wegfallen würde. Es ist für einen Betroffenen nicht möglich und auch nicht sinnvoll, dem Hund nach jedem Kommando oder jeder gut bewältigten Situation ein Stück Futter zu geben, oder ihn ständig zu loben. Auch dieser Hund würde auf Grund des Wegfalls der ständigen Motivation in kürzester Zeit einen Grossteil seiner Führeigenschaften verlieren. Ich möchte hier ein kurzes Beispiel geben für das Verhalten eines Hundes, der ständig mit Futter motiviert wurde: Ein Labrador ist verhältnismäßig einfach mit Futter zu motivieren. Das Erlernen, einen Bort zu verweisen mit Hilfe von Futter, geht dabei recht schnell. Ich bleibe an jedem Bort stehen, so dass mein Hund ebenfalls stehen bleiben muss, und zur Belohnung gebe ich jedes Mal ein Stück Futter. Nach kurzer Zeit schaut mich der Hund an jedem Bort, wo ich stehen bleibe an und fordert seine Belohnung. Dieses Verhalten wird er später beim Betroffenen ebenfalls zeigen, er wird den Bort verweisen und wird ihn anschauen. Da es im Alltag nicht möglich ist, jede positive Aktion des Hundes mit Futter zu belohnen, wird dieser nach Wegfall der Motivation nach kurzer Zeit den ersten Bort überlaufen. Auch hier wäre eine Einschränkung der Qualität der Führeigenschaften innerhalb weniger Wochen erkennbar. Um einen Führhund auszubilden, der nicht nur das erste halbe Jahr, sondern auf lange Sicht hin gesehen gut arbeitet, ist es also besonders wichtig, eine Methode in der Ausbildung durchzusetzen, die dies auch garantiert. Zum Schluss möchte ich das Wichtigste, was man im gesamten Spektrum der Hundeausbildung immer wieder erkennt, auf den Punkt bringen: Eine langjährige Erfahrung sowie ein fundiertes Grundwissen sind die Garanten für eine hohe Qualität der Ausbildung. Dabei ist es nicht ausschlaggebend, die spezifische Ausbildung bis ins kleinste Detail zu beherrschen, sondern über ein großes kynologisches Grundwissen zu verfügen. Es ist aus unserer Sicht unverantwortlich, ohne diese Voraussetzungen Hunde selbst auszubilden. Wir möchten aus diesem Grund jedem Führhundinteressenten raten, "seine" Führhundschule sorgfältig auszuwählen, um einen guten Führhund zu erhalten, der den hohen Anforderungen des Alltages und den eigenen Erwartungen auch weitgehend entspricht.

Der Geschäftsführer der "Blindenführhundschule-Mobil", Mayk Preiß und der Rehabilitationslehrer für Blinde und Sehbehinderte, Titus Bostelmann (hier in der Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte in Chemnitz) auf der Suche nach markanten Ausbildungspunkten in der Stadt.

Beratungsstelle für Blinde und Sehbehinderte in Chemnitz